Haus Bisping - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Haus Bisping

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Adresse
  

Haus Bisping
Altendorf 25
48317 Drensteinfurt-Rinkerode (Kreis Warendorf)
    

Karte
           


Geschichte
    

Besitzergeschichte
        

Haus Bisping wurde erstmals 1364 urkundlich erwähnt. Zunächst befand sich Haus Binsping als Tafelgut in den Händen der Bischöfe von Münster. Erstmals wurde Hermann von Berne mit Haus Bisping belehnt.

 

Friedrich von Norrentin kaufte1393 eine Hälfte und 1422 die weitere Hälfe des Hauses.

  

Die Enkelin des Friedrich von Norrentin, Stina, brachte das Haus an Johann von Henefeldt. Die Erbtochter Hilleberge von Henefeldt brachte wiederum das Haus Bisping in die Ehe mit Jasper von Frydag ein.

    

Klara von Frydag hinterließ ihrer Tochter aus zweiter Ehe, Bernada von Wolf-Füchteln, im 16. Jahrhundert Haus Bisping. Sie heiratete 1566 Dietrich von Galen, Sohn des Dietrich von Galen zu Vellinghausen, aus einer der 5 Linien der Familie von Galen im Lipperaum im 15. Jahrhundert, und seiner Frau Margareta Vollenspit, die durch die Heirat bedeutende Güter an die Familie von Galen brachte. Die Beiden hatten ihren Wohnsitz auf Haus Romberg. Nachdem dieser Zweig der Familie von Galen in den Besitz des landtagsfähigen Hauses Bisping gekommen war, hatten sie fortan auch einen Sitz und eine Stimme im Münsterischen Landtag, wodurch die Familie von Galen sich nunmehr endgültig im Fürstbistum Münster etablieren konnte.

   

Aus der Ehe zwischen Dietrich von Galen und Bernharda von Wulff ging u.a. der Sohn Dierich von Galen zu Bisping hervor. Er wurde 1592 Erbe der kurländischen und westfälischen Güter. 1605 heiratete er Catharina von Hörde. Aus letztgenannter Ehe wiederum gingen die Söhne Christoph Bernhard von Galen und Heinrich von Galen hervor. Christoph Bernhard Graf von Galen, der am 12. Oktober 1606 auf Haus Bisping das Licht der Welt erblickte, war von 1650 bis 1678 Fürstbischof von Münster. In dieser Funktion bekämpfte er den Protestantismus. Zudem führte er Kriege gegen die Niederlande und Schweden. Dies brachte ihm die Namen "Kanonenbernd", "Bombenbischof" und "Bombenbernd" ein. Sein Bruder Heinrich erbte Haus Bisping und zudem wurde er 1665 vom Kaiser in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Bereits 1641 wurde Heinrich zum Amtsdrosten von Vechta ernannt. Christoph Bernhard reaktivierte 1663 das Amt des münsterischen Erbkämmerers zugunsten seiner eigenen Familie und stiftete zahlreiche Familienpräbenden. Das fideikommissarisch gebundene Amt des Erbkämmerers wurde von Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen für den jeweiligen Stammherrn der Familie von Galen gegründet und zunächst seinem Neffen Franz Wilhelm von Galen verliehen. Daran war die Wahrung der Stiftsfähigkeit gekoppelt.

  

Die Nachfahren dieses Zweiges der Familie von Galen lebten auf Haus Bisping, bis Heinrich von Galen 1641 die Dietrichsburg in Dinklage bei Vechta und 1653 das Haus Assen bei Lippborg kaufte, wo sie sich die Familie ansiedelte.

   

1803 wurde die Familie von Galen von dem König von Preußen in den Reichsgrafenstand erhoben.

  

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde Haus Bisping - aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Familie von Galen - an den dortmunder Immobilienunternehmer Erich Dreier veräußert, der zudem das unmittelbar benachbarte lt Rittergut Haus Borg und das Haus Göttendorferwarb.

    

Streitereien zwischen den Familie von Kereckerinck und von Galen
              

Am 29.10.1604 klagte Hermann Keckerinck zur Borg beim Weltlichen Hofgericht zu Münster gegen Ludwig von Galen und dessen älteren Bruder Dietrich. Am 23.09.1604 ereignete sich zwischen den genannten Personen im Dorf Rinkerode folgender Vorfall, der der Klage zugrunde liegt: Es wurde Sendgericht unter Vorsitz des münsterischen Domherren und Archidiakons Rotger von Asbeck abgehalten. Zwischen von Galen und von Kerckerinck war es im Vorfeld zum Streit über den Platz der Familie Kerckerinck in der Rinckeroder Pfarrkirche gekommen, der zugunsten der Familie der Kerckerinck während der Verhandlung entschieden wurde, so dass die Familie von Galen keinerlei Ansprüche auf die Plätze der Familie von Kerckerinck erhoben konnte. Der Streit hatte insbesondere für die Außendarstellung des Adels innerhalb der Gemeinde und die damit verbundene soziale Stellung eine besondere Bedeutung. Der Adel saß in der Kirche getrennt von den übrigen Kirchgängern. Darüber hinaus gab es auch innerhalb des Adels erneut eine Trennung zwischen den Bänken der Güter Bisping, Borg, lt Göttendorf, Pröbsting und Westerhaus. Der Stellung der Bänke nach ergab sich folgende Stellung mit abnehmender Bedeutung: Galen, Kerckerinck und Ascheberg, also Bisping, Borg und Göttendorf. Die Familie von Galen sah die Familie von Kerckerinck nicht als adelig an, so dass ihrer Ansicht nach, dieses auch nichts in dem Bereich der adeligen Kirchbänke zu suchen hatte. Um einen Ehrverlust zu verhindern und erst Recht die Adeligkeit und Erbmännerprozess unter Beweis zu stellen, musste die Familie Kerckerinck auf das Vorgehen der Familie von Galen reagieren, was sie mit einer Einreichung einer Klage bei dem Sendgericht taten.

     

Während des anschließenden Mahls nach dem Sendgericht brachen die Spannungen wieder auf. Die Gebrüder Ludwig und Dietrich von Galen brachen einen Streit vom Zaun, in dessen Verlauf sie einen Sohn der Familie Kerckerinck mit einem Dolch bedrohten. Nachdem sich die Lager aufgrund einer Intervention weiterer anwesender Adeliger entschärft hatte und die Streitparteien wieder bei Tisch saßen, begann Ludwig von Galen Hermann Kerckerinck zu provozieren und zu beleidigen. Er setzte Kerckerinck dem Range eines Bauern gleich und erkannte nicht an, dass die Kerckerincks adeligen Ranges seien. Letzteres hängt mit der Erbmännerstellung der Familie von Kerckerick zusammen. Sie wurden von einem Großteil des alteingesessenen Adels nicht als adelig anerkannt, wenngleich sie einen adelsgleichen Lebensstil pflegten, auch adelige Güter besaßen und mit Adeligen verheiratet waren. Hermann von Kerckerinck erwiderte diesen Angriff auf seine Ehre mit einigen Faustschlägen in das Gesicht des Ludwig Galen. Ludwig und sein Bruder Dietrich wiederum reagierten hierauf mit dem Zücken ihrer Dolche. Letztlich konnte diese Situation durch das Eingreifen der anwesenden Adeligen vor der Eskalation bewahrt werden. Sie packten die Gebrüder Galen und verwiesen sie des Hauses. Einige Tage später erschien Dietrich von Galen auf dem Haus Borg um mit Hermann von Kerckerinck zu reden. Während der Verabschiedung trat von Galen Hermann Kerckerinck in seine Männlichkeit um ihn unfruchtbar zu machen. Das Eingreifen der Diener der Familie Kerckerick konnte letztlich schlimmeres verhindern.

  

Daneben gab es noch weitere Konflikte zu Beginn des 17. Jahrhunderts zwischen den Familien von Galen und Kerckerinck. Streitpunkte waren beispielsweise Weide und Wegerechte zwischen Haus Borg und Haus Bisping, die ebenfalls seit 1603 anhängig bei Gericht waren.

        

Baugeschichte
     

Haus Bisping befindet sich auf einer ovalen Insel. Ursprünglich war die Anlage von einem hohen Wall und einer breiten Außengräfte umgeben. Teile der Gräfte sind noch heute vorhanden.

  

Das Haus Bisping stand nach Übersiedlung der Familie von Galen nach Haus Assen und lt Burg Dinklage leer und zusehends verfiel es. Heute ist nur nach das ansehnliche Torhaus erhalten. Alle übrigen Gebäude sind spätestens seit Anfang des 19. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden. Sämtliche Gebäude lagen auf einer Insel, die von einem Wall umgeben war.

   

Das Torhaus aus dem Jahre 1651 wurde für den Erbkämmerer Heinrich von Galen, einem Bruder des Fürstbischofs, errichtet. Das Torhaus ist mit einem Dreistaffelgiebel versehen und besteht aus zwei Geschossen. Das Untergeschoss besteht aus roten Bruch- und Backsteinen. Das Obergeschoss hingegen aus Fachwerk. Die Fenster sind mit gelben Sandsteinfensterrahmungen versehen. Der Erker im Obergeschoss ist mit zwei Wappen und Ornamenten versehen. Ein Wappen ist der Familie von Droste und das Andere der Familie von Galen zuzuordnen. Es ist mit der Jahreszahl 1681 versehen. Die ehemalige Durchfahrt ist heute vermauert. Zudem wurde die alte Raumaufteilung verändert.

   

Fotos
     

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