Rittergut Haus Borg - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Rittergut Haus Borg

Bauwerke > geordnet nach Kreisen > Kreis Warendorf

Adresse
   
Rittergut Haus Borg
Schloss Borg
Altendorf 33
48317 Drensteinfurt-Rinkerode (Kreis Warendorf)
       

Karte
           

      
Besichtigungsmöglichkeiten


Rittergut Haus Borg befindet sich in Privatbesitz. Das Betreten der Anlage ist unerwünscht. Deshalb ist lediglich das Anwesen von der Straße aus zu besichtigen. Die von einer Gräfte umgebene Vorburg befindet sich unmitelbar an  frei zugänglichen Straßen. Gleiches gilt für die Garteninsel. Die Anlage wurde in den letzten Jahren aufwendig renoviert und macht deshalb einen sehr gepflegten Eindruck. Sie fügt sich harmonisch in die Umgebung ein. Besonders herausstechend wirkt sie durch die repräsentativen Zufahrten und Alleen. Unmittelbar in Sichtnähe des Ritterguts befindet sich zudem das Haus Bisping, das sich in den Händen der gleichen Eigentümerfamilie befindet. Die Nähe der beiden Adelssitze war nicht immer ohne Konflikte. Einzelheiten hierzu sind bei den Ausführungen zur Geschichte des Hauses Bisping zu finden.
      

Geschichte
       

Besitzverhältnisse
        

Die Anlage war bereits vor dem 14. Jahrhundert Sitz der Herren von Rinkerode. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging Borg durch Heirat an Dietrich von Volmerstein (Volmarstein). Es folgten ab 1363 mehrere Besitzer, so beispielsweise Ekbert Cleyvore und sein Sohn Heinrich und seit 1397 Johann von Ascheberg.

 

Dietrich Huge, Bürgermeister von Münster, heiratete 1444 Bilie von Ascheberg, die Borg in diese Ehe einbrachte. Dietrich Huge wiederum brachte 1491 Haus Borg an den Ehemann seiner Tochter, den münsterschen Erbmann Johann Kerckerinck, den sie 1466 geheiratet hatte. Die Familie nannte sich fortan von Kerckerinck zur Borg. Die Familie von Kerckerinck wurde erstmals im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Sie besaß Grundstücke und Immobilien in der Stadt Münster. Sie war im hansischen Fernhandel aktiv. Ferner bekleideten Mitglieder der Familie hohe städtische Ämter, sie befanden sich in Dienstern der Bischöfe als Burgmannen in Horstmar.

  

Die Familie von Kerckerinck zur Borg gehörte in der Anfangsphase des Erbmännerstreits zu den aktivsten Beteiligten. 1597 gehörten sie zu den Beklagten und 1607 gehörten sie zu den Klägern.

  

Durch Ankauf des landtagsfähigen Hauses Alvinghof durch Hermann von Kerckerinck zur Borg im Jahre 1625 wurde die Familie kraft Besitzes des Hauses zur münsterischen Ritterschaft aufgeschworen.

  

Im 19. und 20. Jahrhundert lebte Engelbert Freiherrn von Kerckerinck zur Borg auf dem Rittergut. Er war u.a. Präsident des westfälischen und deutschen Bauernverbandes, Zentrumspolitiker und von 1912 bis 1918 Reichstagsabgeordneter. Ferner war er Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes. Zudem veröffentlichte er 1912 gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Richard Klapheck das Buch „Alt-Westfalen - Die Bauentwicklung Westfalens seit der Renaissance“.

 

Haus Borg wurde die Landtagsfähigkeit zuerkannt.

 

Nach der Auswanderung der Familie Kerckerinck zu Borg in die USA erwarben 1980 der dortmunder Immobilienunternehmer Erich Dreier und seine Ehefrau Marlis das Anwesen.

                        

Baugeschichte
      

Erbaut wurde die Anlage ursprünglich 1100.

 

Das heute noch erhaltene Herrenhaus ist ein zweigeschossiger Rechteckbau über einem hohen Kellergeschoss unter einem steilen Satteldach. An der Ost- und Westseite befindet sich jeweils ein wuchtiger Dreistaffelgiebel. Vorwiegend sind die Gebäude aus Backstein errichtet worden. Außerdem ist Bruchstein als Baumaterial verwendet worden. Der älteste Teil des Hauses befindet sich in der Osthälfte des heutigen Herrenhauses. In seinem Kern stammt es aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 1540 wurde das Haus in gleicher Breite in einem Zweiten Bauabschnitt nach Westen auf den heutigen Umfang erweitert.

  

Am Anfang des 18. Jahrhundert gab es Pläne des kurkölnischen Obersthofmarschalls Jobst Stephan Freiherr von Kerckerinck das Herrenhaus zu einer barocken Dreiflügelanlage auszubauen. Diese Pläne wurden jedoch nur ansatzweise realisiert. Es wurden barocke Holzsprossenfenster eingebaut Zudem entstand ein neues großes Treppenhaus unter Änderung der Raumaufteilung. Zahlreiche Baumeister und Künstler wirkten an der Erbauung mit. Die Innenarbeiten wurden vermutlich 1717 mit der Stuckierung des Saals durch Antonio Rizzo abgeschlossen. 1719 wurde von der geplanten Dreiflügelanlage lediglich der große 4 x 4-achsige Pavillonflügel mit zwei großen Schornsteinen mit verbindender Firstgalerie an der Süd-Ostecke des Herrenhauses angebaut. Die Pläne stammen von Gottfried Laurenz Pictorius. Fertig gestellt wurden zudem das Gartenparterre im Norden des alten Hauses und eine lange Baumschneise in der Mittelachse der Garteninsel.

  

Im 19. Jahrhundert wurde ein Teil der Fenster erneuert. Zudem sind die Außenwände mit einem dicken Zementputz überzogen worden.

  

Von 1914 bis 1915 wurde durch Engelbert Freiherr von Kerckerinck zur Borg geplant Borg barock umzubauen. Auch diese Pläne wurden nur unvollständig verwirklicht. Der Garten wurde wiederhergestellt, das Brauhaus wurde restauriert und schließlich wurden 1922 die neuen Vorburggebäude errichtet.

  

Bei einem Brandbombenangriff im Zweiten Weltkrieg, 1942, wurde das Herrenhaus stark beschädigt. Der Dachstuhl wurde völlig vernichtet und zudem wurde das Innere des Obergeschosses weitgehend zerstört. Das Erdgeschoss erlitt schwere Löschwasserschäden. In der Folgezeit erhielt das Herrenhaus ein Notdach, das erst 1959 durch einen restaurierten Dachstuhl ersetzt worden ist. Ferner wurde das Haus vollständig renoviert. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde die große Barocktreppe 1958 abgebrochen. Außerdem wurden Stuckbalkendecken im Salon beseitigt und dabei Eichenholzdecken aus dem 17. Jahrhundert freigelegt.

 

Das Brauhaus entstand gegen Ende des 16. Jahrhunderts im Westen, in einem rechten Winkel zum Haupthaus. Es ist ein rechteckiger Bau mit einem Eckturm an der Nordwestecke. Die Süd- und Westwände sowie der Eckturm bestehen aus Ziegel. Die Nord- und Ostwand hingegen bestehen aus Bruchstein. Die Südwand ist mit einem Dreistaffelgiebel versehen.

  

Am Anfang des 18. Jahrhundert wurden an das Brauhaus in südwestlicher Richtung das eingeschossige Stall- und Remisenhaus angefügt, das in südwestlicher Richtung einen rechten Winkel bildet.

  

Auf dem nördlichen Teil der Vorburg, parallel zum Herrenhaus verlaufend und leicht nach Süden versetzt, befindet sich das alte zweigeschossige Torhaus aus dem Jahre 1664. Das Erdgeschoss besteht aus einfachem Ziegelstein, das Obergeschoss jedoch aus Fachwerk. An der Nordwand befinden sich kleine Schießscharten und Steinrahmenfenster im Erdgeschoss. Das Obergeschoss ist mit Holzkreuzfenstern versehen. Über der Tordurchfahrt befindet sich das Allianzwappen Kerckerinck-Neuhof.

  

Der quadratische und zweigeschossige Ziegelpavillon im Nordosten der Vorburg stammt aus dem Jahr 1618. Ursprünglich war er mit einer geschweiften Haube und Dachreiter versehen. Heute ist es lediglich mit einem einfachen Pyramidendach und einer Wetterfahne versehen. Im Erdgeschoss befinden sich kleine Luken, im Obergeschoss Steinkreuzfenster. Beide Stockwerke haben Schießscharten. Der Eingang befand sich auf der Südseite im Erdgeschoss, bis 1922 die übrigen – heute noch vorhandenen – Vorburggebäude errichtet wurden. Damit ergibt sich heute eine hufeinsenförmige Anlage, die zur Hauptinsel im Westen geöffnet ist. An den Enden befinden sich dazu in einem rechten Winkel vortretende Bauten, die zur Mitte der Brücke ausgerichtet sind.

   

Zu Beginn der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts waren auch die übrigen, nach dem Bombenangriff 1942 zerstörten Dächer wieder hergestellt.

  

Von 1982 bis 1988 ließ die Familie Dreier Haus Burg umfassend renovieren sowie teilweise umgestalten.

     

Fotos
         

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