Burg Desenberg - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Burg Desenberg

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Lage

Warburg-Daseburg (Kreis Höxter)
Desenberg.de
 

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Geschichte


Der Desenberg ist vor ca. 19 Millionen Jahren entstanden, als sich die afrikanische und eurasischen Kontinentalplatte aufeinander zu bewegten und ineinander schoben. Durch die so entstandenen Risse und Spalten drang Magma nach oben und der Desenberg mit einer Höhe von 345 Metern Höhe über N.N. entstand.

Vom 11. bis 15. Jahrhundert gehörte die sich auf dem Desenberg befindliche Befestigungsanlage zu den umkämpftesten in Westfalen. Vermutlich wurde sie im 11. Jahrhundert von dem sächsischen Edelherrengeschlecht der Northeimer gegründet.

1070 wurde die Burg Desenberg erstmals urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit belagerte König Heinrich IV. die Festung, die Graf Otto von Northeims als Stützpunkt diente und der ebenfalls 1070 als Herzog von Bayern abgesetzt worden war. Die Burgbesatzung gab auf, als Truppen am Fuße des Bergs Stellung bezogen.

Durch Erbschaft gelang die Desenburg spätestens 1152 in den Besitz des sächsischen Herzogs Heinrich des Löwen, der die Burg an seinen Gefolgsmann Widukind von Schwalenberg zu Lehen gab. Letzterer schloss sich einem Aufstand gegen Heinrich den Löwen an, so dass er infolgedessen durch diesen die Burg Desenberg belagert wurde. Da die Belagerer es bis 1168 nicht geschafft hatten die Burg einzunehmen, entschlossen sie sich, nach einer Überlieferung, in den Fuß des Desenbergs einen Stollen zu treiben. Als sie den Brunnen fanden, der die Burg mit Wasser versorgte, verstopften sie diesen, so dass letztlich Widukind gezwungen war aufgrund der mangelnden Wasserversorgung die Burg Heinrich des Löwen zu übergeben.

Als Heinrich der Löwe 1180/1181 gestürzt wurde, belagerte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg den Desenberg.

Die Desenburg spielte u.a. auch eine Rolle in den Auseinandersetzungen zwischen den Welfen und den Staufern um den Königsthron. Die Burg war überwiegend im Besitz der Stauferkönige Friedrich I. und Heinrich IV. König Heinrich IV. übereignete 1192 die Burg dem Bischof von Paderborn, dem sie wiederum durch Corvey streitig gemacht wurde. Um 1200 fiel die Burg an die welfische Seite, den Nachkommen Heinrichs des Löwen, zurück. Darauf hin vereinbarten Abt Widukind von Corvey und Bischof Bernhard III. von Paderborn, die auf der Seite der Staufer standen, die Burg einzunehmen und sie zu verstören. Das Vorhaben ließ sich jedoch nur teilweise realisieren.

Um 1206 belagerten die Grafen von Everstein die Burg.

Zu späterer Zeit fiel die Burg an die Kölner Erzbischöfe, die vermutlich auch die Burg aufbauen ließen. Die Burg sollte ihnen als Stützpunkt zur Durchsetzung ihrer Ansprüche bis zu Weser dienen.

1256 erhielten die Herren von Spiegel die Burg Desenberg vom Kölner Erzbischof zum Lehen, wobei die Herren von Spiegel faktisch die tatsächlichen Geschicke der Burg bestimmten. Auch noch heute befindet die Ruine sich im Eigentum der Familie von Spiegel. Die Familie von Spiegel versuchte im Grenzgebiet zwischen Hessen und Paderborn eine eigene kleine Herrschaft aufzubauen, was ihnen auch gelang. Sie übten zudem eine eigene Gerichtsbarkeit aus. Die Burg Desenberg wurde hierzu als zentraler strategischer Stützpunkt genutzt. Neben den eigenen Gütern verwaltete die Familie von Spiegel auch Corveyer und Paderborner Güter.

Bereits 1338 gab es eine Teilung innerhalb der Familie von Spiegel. Es entstanden die Zweige
Spiegel zu Peckelsheim, Spiegel zu Schweckhausen und Spiegel zu Borlinghausen. Zwei weitere Linien verblieben auf der Burg Desenberg, die Linien Spiegel zu Desenberg.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts war Kurt von Spiegel zu Desenberg führendes Mitglied im Bengeler-Ritterbund. Der Bengeler-Ritterbund wurde 1391 unter der Führung Kurt Spiegels und Friedrichs von
Padberg zum Alten Haus gegründet. 1390 soll die Burg aufgrund dessen von dem hessischen Landgrafen Hermann erobert und zerstört worden sein. Den Fehden der Ritterbünde und den durch ihnen durchgeführten Überfällen setzte Bischof Johann I. von Paderborn 1394 ein Ende.

Von 1438 bis 1454 führte die Familie Spiegel zum Desenberg eine harte Fehde gegen die Paderborner
Adelsfamilie von Westphalen. Hierbei nutzte sie den Desenberg als wichtigen Stützpunkt. Im Oktober 1462 zog ein Aufgebot aus dem Herzogtum Braunschweig, sowie Bürger aus Göttingen, Northeim und Einbeck, vor den Desenberg und brannten die Burg nieder.

Als zwischen Paderborn und Hessen im Jahre 1464 eine Fehde um den Besitz der
Burg Calenberg ausbrach, stellte sich die Familie Spiegel auf die hessische Seite. Dies veranlasste den Paderborner Bischof Simon III. zur Belagerung der Burg. Seine Streitkräfte marschierten zum 01.07.1470 vor dem Berg auf und eroberten die Burg binnen weniger Tage. Dabei wurde zumindest die Vorburg auf dem Plateau unterhalb der Kuppe großflächig zerstört.

1471 erkannte die Familie Spiegel - gezwungenermaßen - den Paderborner Bischof als Lehnherren an.

Gegen 1550 zogen sich die vier damals auf der Burg Desenberg ansässigen Zweige der Familie Spiegel zu Desenbeg auf Landsitze unterhalb des Desenberges, wegen Platzmangels, zurück. Es entstanden die Adelssitze
Rothenburg, Klingenburg, Übelngönne und Bühne. Die Burg verfiel zusehends nach dem Verlassen durch die Familie Spiegel, obwohl der Paderborner Fürstbischof Heinrich IV. von Sachsen-Lauenburg im Jahre 1581 die Familie verpflichtete die Burg nicht vollständig verfallen zu lassen. Spätestens ab 1600 wurde die Burg Desenberg vollständig durch die Familie Spiegel aufgegeben und die Reste der Gebäude wurden als Steinbruch für die Dörfer der Umgebung benutzt.

Zur Burg Desenberg führte eine langsam ansteigende Trasse, die den Desenberg im Norden, Osten, und Süden den Berg umrundete. Auf der Westseite befand sich ein Plateau unterhalb der Bergspitze auf einer Höhe von ca. 325 m. Auf dem Plateau befand sich die Vorburg, die durch ein zwei Meter breites Tor gesichert war und im 13. Jahrhundert ausgebaut wurde. Auf dem Plateau stand ein Gebäude mit den Maßen von 18 x 10 m und einem viereckigen Turm. Nach einer Zerstörung wurde es durch drei kleinere Gebäude an gleicher Stelle ersetzt. Die gesamte Vorburg war von einer Mauer umgeben. Das Wachhäuschen hatte die Maße von 4,6 x 2,8 m.

Die Hauptburg auf der Bergkuppe umfasste eine Fläche von 1.050 m² und war von einer Mauer umgeben. Ein inneres Tor mit einem Zwinger sicherte zusätzlich den Zugang. Auf der Fläche befand sich der Palas und der Bergfried. Seine Mauern wiesen eine Stärke von 1,65 bis 2,30 m, bei einem Durchmesser von 6,7 m, auf. Seine heutige Höhe beträgt 12 m. Danebern befanden sich auf der Hauptburg mehrere mehrgeschossige Gebäude.

Seit dem 19. Jahrhundert fanden wiederholt Sanierungsarbeiten auf dem Desenberg statt. So wurde u.a. 1892 der Turm von Grund auf überholt. Dabei wurde der Eingang zugemauert. 1913 stellte der Kreis Warburg Mittel zur Erhaltung der Ruine bereit. Während eines Sturmes in einer Nacht im Januar 1928 wurde die Westseite des Bergfrieds beschädigt. Die Schäden wurden umgehend behoben.

1951 und 1954 fanden weitere Sanierungsarbeiten auf dem Desenberg statt.

Seit 1985 hat die Familie von Spiegel den Desenberg an die Stadt Warburg verpachtet.

Von Ende September 1987 bis zum Frühsommer 1988 erfolgte die letztere größere Sanierungsmaßnahme. Hierbei wurde auch eine kleine archäologische Sondierung des Untergrundes am Bergfried vorgenommen.

Der Burgberg steht seit 1983 unter Naturschutz.

Wie bei so vielen Burgen und Herrenhäusern ist auch mit dem Desenberg eine Sage verbunden: Auf dem Berg soll zu heidnischer Zeit ein Drache gelebt haben. Er wurde eines Tages durch einen Ritter besiegt, nachdem zahlreiche vorhergehende Versuche erfolglos geblieben waren. Der Drache soll sich, sein Spiegelbild im Schild des Ritters sehend, so erschrocken haben, dass es ein leichtes war, ihn zu erlegen. Kaiser Karl der Große soll den Bezwinger mit Reichtum und einem Wappenbild, das im Rückbezug auf die Heldentat des Ritters drei Spiegel zeigte sowie mit der Burg ausgezeichnet und belohnt haben, nämlich die Familie Spiegel zum Desenberg.
  

Fotos
         

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