Schloss Eringerfeld - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Schloss Eringerfeld

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Adresse
    
Schloss Eringerfeld
Steinhauer Str. 8
59590 Geseke-Eringerfeld (Kreis Soest)
Schloss-Eringerfeld.de
         

Karte
          

Geschichte
             

Besitzergeschichte

1280 wurden die Herren von Erkerinkhusen (= Erkerninghusen, Erkinkhusen, Erjerinkhusen, Erkerinchuse) mit Albertus de Erkinchusen erstmals urkundlich erwähnt.
  
Das Geschlecht von Erkerinkhusen starb jedoch bereits vor 1395 aus. 1395 wurde der Gutshof der Herren von Erkerinkhusen geteilt und verkauft. Eine Hälfte ging durch Verkauf des Godert von Rüden an das Lippstädter Jungfrauenkloster über. Die verbleibende Hälfte erwarben die Gebrüder von der Borch (Borg) aus Geseke. Ludolf von der Borch verkaufte am 01.02.1463 seine Hälfte an Eringerfeld an Temme von Hörde zu Störmede und seine Ehefrau Fy. Vielleicht entstand auch in der Folgezeit eine erste befestigte Anlage.  
  
1529 teilte sich die Familie von Hörde ihren Besitz in Störmede, Boke, Schwarzenraben und Eringerfeld auf. Christoph von Hörde erhielt Eringerfeld. Er begründete die Linie von Hörde zu Eringerfeld. Wahrscheinlich ist auch ab diesem Zeitpunkt Eringerfeld eigenständiges Rittergut.

1615 erwarb Christoph III. von Hörde zu Eringerfeld die andere Hälfte an Eringefeld von dem Lippstädter Jungfrauenstift, so dass sich das Schloss Eringerfeld im Alleineigentum dieser Linie der Familie von Hörde befand.

1781 verstarbder Freiherr Franz Ludolph Joseph von Hörde zu Eringerfeld ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Nach dem Tod seiner Witwe im Jahre 1792 fiel Eringerfeld gemäß Erbvertrag an den Freiherrn Friedrich Ferdinand von Hörde zu Schwarzenraben, der nunmehr die Schlösser Schwarzenraben und Eringerfeld in seiner Hand vereinigte. Er ließ das Schloss Eringerfeld zunächst leerstehen. Einige Zeit später wurde es zeitweise als Wohnsitz genutzt. Danach diente es als Jagdschloss und es wurde zu Wirtschaftszwecken genutzt.

Nach dem Tod Engelbert Matthias Freiherr von Hörde aus der schwarzenrabener Linie am 05.05.1848 ohne Kinder hinterlassen zu haben, gingen Schloss Eringerfeld und Schloss Schwarzenraben auf seine Witwe, Kunigunde, geborene von Asbeck, durch Erbschaft über. Sie heiratete in 2. Ehe den Obersten Wilhelm-Otto Freiherr von der Decken aus Oldenburg. Auch diese Ehe blieb kinderlos, so dass nach dem Tod Kunigundes und Wilhelm-Ottos von der Decken der gesamte Besitz durch Erbschaft auf Wilhelm-Ottos Kind aus 1. Ehe, Maria Kunigunde (Marie-Cunigunde) von der Decken, überging. Diese wiederum heiratete 1863 den Freiherrn Friedrich Klemens von Ketteler zu Harkotten, so dass die Schlösser Schwarzenraben und Eringerfeld in den Besitz der Familie von Ketteler gelangten. Ihren Wohnsitz nahmen sie auf dem Schloss Eringerfeld ein.

1873 war der gesamte ehemalige von Hördesche Besitz, mit Ausnahme des Herrenhauses in Erwitte, auf die Freiherrn von Ketteler übertragen.

1922 übergab Maria Kunigunge ihren gesamten Besitz ihrem Enkel Wilderrich Friedrich von Ketteler.

Zur Zeit des Nationalsozialismus bis 1945 wurden zwangsweise holländische Missionare in das Schloss einquartiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1960 wurde Schloss Eringerfeld zwischenzeitlich als Noviziat dem Jesuitenorden kostenlos zur Verfügung gestellt. In Büren betrieben sie, nach der Zerstörung der Universität in Frankfurt, ihre teleologische Fakultät. Zu dieser Zeit bersaß das Schloss keine Wasserleitungen und das Dach war undicht. Die Gräfte wurde als Schutthalde des Drofes Eringerfeld verwendet.

1961 wurde das Schloss von der Familie von Ketteler an die Eheleute Wilfried und Dr. Berna Kirchner zu einem Kaufpreis von 2 Mio. DM verkauft. Wilfried Kirchner war Diplom-Handelsleher, Betriebswirt und Besitzer von 3 Handelsschulen.  

In der Zeit von 1965 bis 1987 befand sich ein Internat in dem Schlossgemäuer, das von der Familie Kirchner betrieben wurde. Neben dem Schloss entstand ein großes Schulzentrum mit zahlreichen Neubauten. Die Schülerzahl wuchs bis auf 1.200 an.  

1981 verstarb Herr Kirchner. Später brachte Frau Dr. phil. Kirchner ihren Besitz mitsamt des Schlosses in eine Stiftung ein.

Später wurde das Schloss in ein Tagungszentrum mit Hotel umgewandelt. Diese Nutzung besteht bis heute fort. In dem Schloss befinden sich 10 Tagungsräume mit einer Größe von 28 bis 96 qm. In den Seitenflügeln befinden sich überdies 48 Hotelzimmer.
      

Baugeschichte
      

 

Allgemeines
           
Östlich von Eringerfeld befand sich die Grenze zwischen dem Erzstift Köln und dem Fürstbistum Paderborn. Zahlreiche Grenzstreitigkeiten ereigneten sich an dieser Grenze. Der letzte Zwischenfall ereignete sich während des Baus des heute noch erhaltenen Schlosses im Jahre 1681. Der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg ließ als Vergeltung einer Schlägerei zwischen Hirten Eringerfeld durch 600 Soldaten besetzen. Die Besetzung dauerte fort, bis schließlich in schwierigen Verhalndlung eine Einigung zwischen den Seiten gefunden werden konnte.  
Vermutlich im Jahre 1660 sind Teile der älteren Burg und des Gutshofes durch einen Brand vernichtet worden.  

Das Herrenhaus, die Nebengebäude und das Torhaus gruppieren sich auf einer rechteckigen Insel um einen Ehrenhof. Ähnlich stellte sich Konzept bei Schloss Adolfsburg dar. Auch Schloss Adolfsburg wurde durch den Hausarchitekten der mächtigsten Adelsfamilie im Kölnischen Sauerland und im Fürstbistum Paderborn, der Familie von Fürstenberg, errichtet. Das Schloss stellt quasi den Schwesterbau zu Schloss Eringerfeld dar, wobei in Eringerfeld eine modernere Variante ausgeührt wurde.
     

 

Haupthaus
          
Das heute noch erhaltene Barockschloss wurde in der Zeit von 1676 bis 1678 im Rohbauzustand - auf Veranlassung der Domherren Gottfried und Rhabanus Christoph von Hörde zur Errichtung einer Familienstiftung - für Friedrich Ferdinand von Hörde und seine Gemahlin Felizitas Elisabeth von Horst durch den Architekten Ambrosius von Oelde und den Maurermeister Jobst Scheck aus Störmede erbaut. Das an der Nordseite der Insel gelegene, ca. 50 Meter lange und ca. 19 Meter breite, Herrenhaus ist ein zweigeschossiger, mit einem dreiachsigen Mittelrisalit, der durch einen zweistöckigen Volutengiebel mit Pilasterbildungen geschmückt ist, versehener Bau. Seine Nordseite ist an den Ecken mit Pavillontürmen, mit einer Seitenlänge von ca. 9 Metern versehen. Sämtliche Ecktürme, die dreigeschossige ausgeführt sind, sind mit welchen Hauben mit achtseitigen Laternen geschmückt. Das Herrenhaus trägt ein mächtiges Walmdach. An der Hof und Gartenfront verfügrt das Schloss über jeweils 11 Achsen, wobei hiervon jeweils 3 auf den Mittelrisalit entfallen.
   
Die Herstellung des Inneren des Schlosses war 1699 vollendet.

1875 bis 1883 ließen der Freiherr Friedrich Klemens von Ketteler zu Harkotten und seine Ehefrau Maria Kunigunde das Schloss umfassend umbauen und renovieren. Dabei wurde u.a. auch die ursprüngliche Verteilung der Räume durch Umbauten und Unterteilungen verändert.

Während der nach 1876 folgenden Renovierung erhielten mehrere Räume historisierende hölzerne Kassettendecken und Paneele in Formen der Frührenaissance. Auch die im großen Zimmer im Ergeschoss links neben dem Mittelsaal heute noch vorhandene grobe Leinwand wurde zu dieser Zeit vom Schloss Schwarzenraben zum Schloss Eringerfeld verbracht und dort installiert. Hierbei wurde jedoch die ursprüngliche Reihenfolge der Darstellung verändert und einzelne Elemente fehlen heute.

In den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, 1965 und 1984 folgten Restaurierungsarbeiten.  

Die durch die Familie Kirchner in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts veranlassten Renovierungsmaßnahmen am Schlossgebäude, der Neugestaltung des Parks nach alten Plänen und die Wiederherstellung der freigelegten gotischen Ausmalung der Kapelle verschlagen 6 Mio. DM. Ferner wurden zu dieser Zeit die bis dahin als Heuböden und Remisen genutzten Seitenflügel ausgebaut. Heute befinden sich in den Seitenflügeln die Hotelzimmer des Schlosses.  

Einmalig in Deutschland ist die sich rechts neben der Eingangshalle befindliche alte Treppe aus Eichenholz, deren Lauf vierseitig mit Zwischenpodesten um einen offenen Kern ins Obergeschoss führt. Das Stützpfostensystem besteht aus Spiralsäulen mit Kapitellen, das durch ein Geländer mit kräftigen gedrehten Balustern verbunden ist.
    

 

Seitenflügel
     
Die in dem Ost- und Westflügel in einem rechten Winkel nach Süden hin angrenzenden Seitenflügel wurden von 1680 bis 1685 erbaut. Sie sind durch hohe Schildmauern mit dem Haupthaus verbunden. An den Außenecken befindet sich jeweils ein Eckpavillon, die ebenfalls jeweils eine Seitenlänge von 9 Metern aufweisen.
    

 

Kapelle
       
An dem südöstlichen Eckturm schließt sich unmittelbar die gotische Kapelle an. Die Kapelle ist älter als die übrige Schlossanlage. Vermutlich wurde sie bereits im 14. Jahrhundert errichtet. 1661 wurde sie wohl gründlich instandgesetzt. Am 20.05.1661 wurde sie geweiht. Patronen sind die Gottesmutter Maria, der heilige Mauritius und der heilige Georg. Der Neubau war eine Stiftung des Georg von Hörde, der Kanoniker in Hildesheim war.
   
Am 22.01.1703 erhob Pabst Clemens XI. die Kapelle zur Capella Publica.
       

 

Torhaus
      
Das Torhaus wurde 1690 fertiggestellt. Es ist durch Schildmauern mit den Stirnseiten der Seitenflügel verbunden. Auf der der Straße zugewandten Außenseite des Torhauses befindet sich im Sprenggiebel des Torrahmens das Wappen des Erbauerehepaares, flankiert von liegenden Figuren der Invidia und der Fortuna. Darüber befindet sich im Obergeschoss in 2 Nischen die Portraitbüsten der Lehnsherren des Schlosses, des Kaisers Leopold mit dem Doppeladler und des Kurfürsten von Köln. Auf der dem Hof zugewandten Seite befinden sich in 2 weiteren Nischen die Portraitbürsten des Bauherrenehepaars, Friedrich Ferdinand von Hörde und Felizitas Elisabeth, geborene von Horst, mit ihren Wappenschildern.
   

 

Wirtschaftshof
      
Westlich von der Schlossinsel befindet sich der hufeinsenförmige Wirtschaftshof mit den Maßen von ca. 75 Metern x 70 Metern. Seine 3 Trakte wurden in mehreren Abschnitten im 17. und 18 Jahrhundert erbaut. Auf den beiden Westecken befindet sich heute dachlose Rundtürme mit mehrern Reihen Schießscharten übereinander. Heute werden diese Gebäude vorwiegend als Reiterhof und Gastwirtschaft verwendet.
     

 

Sonstiges
      
Die Brücke an der Nordseite zum Park hin wurde 1699 fertiggestellt. Sie ist durch ein hohes freistehendes prachtvolles Außentor gesichert.
     
Die Anlage ist von einer Gräfte umgeben, die jedoch niemals mit Wasser gefüllt war. An der Ostseite ist die Gräfte bereits eingeebnet worden. Zur Zeit dient die Gräfte das Wildgehege.

Sämtliche Außenwände der Gebäude sind in ocker gestrichen. Die Dächer und Hauben sind mit Schiefer eingedeckt.
     

Sonstiges
  
Folgende Sage von Rappo dem Schlossgeist wird sich erzählt:  

Rappo soll Verwalter von Schloss Eringerfeld gewesen sein. Seine Verwalterstube soll sich am südlichen Ende des Kapellengangs befunden haben. Aufgrund der Lage seiner Stube soll es ihm möglich gewesen sein, von seinem Fenster aus in den Schlosshof zu gucken.  
   
Rappo soll ein untreuer Verwalter gewesen sein, der ausschließlich in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll und seine Untergebenen schlecht behandelt haben soll, während er sich gegenüber seinem Vorgesetzten beliebt gemacht haben soll. Letztlich soll Rappo jedoch niemals bei seiner Veruntreuung erwischt worden sein, so dass er eines Tages eines natürlichen Todes gestorben sein soll. Rappo sollte, der Sage nach, auf dem Friedhof der Pfarrei Hoinkhausen, zu der damals Eringerfeld gehörte, beerdigt werden. Der Leichenwagen soll mit dem Sarg Rappos unter dem Torhaus bereitgestanden haben. Der Kutscher soll sodann den Pferden den Befehl gegeben haben „In Gottes Namen, fahr los!“ Die Pferde hätten sich jedoch nicht bewegt.  

Auch der Kaplan, der mit einem Weihwasserwedel das Totengefährt besprenkelt haben soll, soll ärgerlich gerufen haben: „Nun fahr doch endlich los!“ Auch hiervon sollen sich die Pferde unbeeindruckt gezeigt haben, so dass der Kutscher erneut mit der Peitsche geknallt haben soll und nunmehr wütend geschrieen haben soll: „In drei Teufels Namen!“ Hierauf sollen die Pferde losgerast sein, so dass die anwesenden Trauergäste nicht mehr hinterhergekommen sein sollen.  

Nach Rappos Beisetzung sollen die Trauergäste nach Eringerfeld zurückgekehrt sein und als die Trauergäste das Torhaus passiert haben sollen, soll Rappo, den sie gerade beerdigt hatten, im Fenster seiner Verwalterstube, seinen Kopf unter dem Arm tragend, gestanden haben und ein höllisches Gelächter ausgestoßen haben.  

Seitdem soll Rappo, zur Strafe für seine Verfehlungen in jeder Neujahrsnacht, Walpurgisnacht oder die Zwölf Rauhen Nächte, die einzelnen Versionen der Sage variieren, vom Schloss Eringerfeld aus, zwei Schritte vorgehend, einen zurückgehend, bis zur Benneker Linde und danach zum Schlosshof zurücklaufen.  
            

Fotos
             

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