Burg Kakesbeck - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Burg Kakesbeck

Bauwerke > geordnet nach Kreisen > Kreis Coesfeld

Adresse
 
Burg Kakesbeck Haus Kakesbeck Tel.: 0 25 91 / 46 43
Bechtrup 63
59348 Lüdinghausen (Kreis Coesfeld)
  

Karte
  

    
Besichtigungsmöglichkeiten


Es ist Blickkontakt von der Straße aus möglich. Eine Innenbesichtigung ist nicht möglich. Das Betreten der Burganlage ist nur nach Voranmeldung für Gruppen möglich.


Geschichte
    

Besitzergeschichte
     

Lt. Staatsarchivdirektor Prof. Dr. Kohl ist Kakesbeck um 800 durch den fränkischen Ritterkolonisten Kahr gegründet worden. Nach ca. 50 Jahren kam Kakesbeck in die Hand der Reichsabtei Werden an der Ruhr und von dort an die Grafen von Tecklenburg-Dahle.


Um 1400 ging Kakesbeck durch Heirat an die Herren von Oer.


Zwei bedeutende Persönlichkeiten der Familie von Oer lebten auf der Burg Kakesbeck. Zunächst ist Lambert von Oer, der die Burg errichtet hat, der 1488 die gotische Kapelle gebaut hat, der Mitbegründer des Franziskanerklosters in Dorsten war und in St. Felicitas in Lüdinghausen zwei Vikarien gründete, zu nennen. Zudem erlangte er Bekanntheit durch die folgende Geschichte: 1518 wurde ihm ein eisernes Halsband, das innen mit eisernen Stacheln besetzte war, von seinem Widersacher, Goddert von Harmen, umgelegt. Das Halsband verfügte über einen Mechanismus, dass es nicht geöffnet werden hätte können, ohne das Leben des Trägers zu gefährden. Erst dem Schmied Meister Tile in Münster gelang es, den Burgherren mit drei Hammerschlägen, die er im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes ausführte, von dem Halsband zu befreien. Bedeutender als Lambert war jedoch sein Sohn Bernd von Oer. Nach dem Wiedertäuferkrieg war er bischöflicher Stadtkommandant in Münster, Burggraf in Delmenhorst bei Bremen und Vertreter des Fürstbischofs auf Reichstagen. Eine Ausführliche Darstellung befindet sich am Ende der geschichtlichen Ausführungen (s.u.).


Über die Erbtochter kam Kakesbeck 1680 in den Besitz der Herren von der Recke.


1790 kauften die Grafen von Droste zu Vischering zu Darfeld die Burg Kakesbeck nebst den 80 Kakesbeck hörigen Höfen. Die Familie von Droste zu Vischering verkaufte die Burg an die landeseigene Siedlungsgesellschaft, die daraus 17 Siedlungsstellen machte. Die Burg erhielten die Familien Bolte und Jung.


1971 kauften die Eheleute Dr. Wilfried und Hildegard Grewing, die seitdem ununterbrochen versuchen die alte Ritterburg für die Nachwelt zu erhalten, die Burg.


Die Eheleute Dr. Grewing werden die Burg Kakesbeck mit ihren verschiedenen Sammlungen in eine Stiftung einbringen, um sie der Nachwelt zu erhalten.

   

Baugeschichte
      

Die Burg wurde intensiv wissenschaftlich erforscht. Es wurden Urkundenforschungen, intensive archäologische Untersuchungen und dendroökologische Untersuchungen durchgeführt. Bei den Ausgrabungen wurden 6.000 Funde gemacht, von denen 1/3 meisterhaft restauriert worden sind.


Kakesbeck war ein altes Siedlungsgebiet. Über Kakesbeck ging eine römische Straße. Es existieren römische Funde aus der Zeit von 50 nach Christus.


Zwischen der Kapelle und der Schildmauer befanden sich zwei steinzeitliche Gräber, die 5.000 Jahre alt sind.


Die Grafen von Tecklenburg-Dahle ließen im 11. Jahrhundert nördlich der jetzigen Burg einen Turmhügelburg (Motte) errichten.


Vor 1300 war Kakesbeck bereits eine befestigte Burg.


Die Burg Kakesbeck ist achsial angelegt, hatte fünf Vorburgen und einen Durchmesser von 1 km. Darin konnten in Not- und Kriegszeiten die Bauernschaften Elvert und Bechtrup mit ihrem Vieh Unterschlupf finden. Der ehemalige Bauernhof Schoppmann war eine weitere in sich geschlossene Vorburg mit einem Bergfried.


Die Burg hatte über 30.000 m3 Gräften und Wassergräben.


Sieben Burgtürme wurden fertig gestellt und zudem mehrere Befestigungsringe und Sumpfwiesen. Im Burggarten stand ein separater Burgturm, vermutlich für die Lagerung von Korn. Er stammte aus der Zeit um 1496.


An der Stelle des heutigen Parkplatzes lag der Zwinger. Dort standen zwei große Gebäude, angelehnt an eine weitere Burgmauer vermutlich aus dem 15. Jahrhundert.


Um 1700 wurde die gesamte Anlage barockisiert. Es wurde eine dreibogige Brücke mit Doppeltor gebaut. Ein Flügel davon ist am 30. März 1945 von amerikanischen Panzern zerstört worden. Er soll jedoch wieder aufgebaut werden.


Die heute vorhandenen Gebäude der Burg Kakesbeck liegen auf unterschiedlichen Inseln.

    

 

Haupthaus
      

Der älteste Teil des Haupthauses geht auf die Zeit um 1250 zurück (nachgewiesen durch Ausgrabungsfunde). Sein Ursprung war ein steinerner Burgturm.


Das Herrenhaus wurde 1602 wesentlich erweitert für Bernhard von Oer und seine Ehefrau Margaretha Quadt von Wickrath. Ferner wurde das Haus nach Osten hin über die Ursprungsmauer erweitert. Zu dieser Zeit erhielt das Herrenhaus seine heutige Größe. Vermutlich wurde auch in dieser Zeit die Gräfte zwischen der Vorburg und dem bis dahin vollkommen im Wasser stehenden Haupthaus zugeschüttet.


Anfang des 19. Jahrhunderts brannte ein Großteil des Obergeschosses ab. Danach wurde das Herrenhaus erneuert, das Obergeschoss abgetragen und ein neuer Dachstuhl über dem Erdgeschoss errichtet. Der Keller blieb im Wesentlichen unverändert.


Im Zuge der Renovierungsmaßnahmen der jetzigen Eigentümer soll das Herrenhaus wieder in seiner ursprünglichen Form ausgebaut werden. Gerettet wurden große Teile des Prunkkamins aus der Zeit von 1593.

      

 

Bauhaus und Wirtschaftsflügel
          

Südlich des Haupthauses befindet sich das Bauhaus. Es ist ein großes einstöckiges Haus mit einem mächtigen Satteldach. Die Ostwand sowie die Giebelmauern bestehen aus Blockstein, die dem Hof zugewandte Längsseite hingegen aus Fachwerk. Das Bauhaus stammt aus dem 15. Jahrhundert.


Das an das Bauhaus im Nordwesten anstoßende Langhaus stammt ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert. Es ist durch eine Luftmine 1943 stark in Mitleidenschaft gezogen worden. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist es von der Siedlungsgesellschaft mit einfachem Material neu errichtet, durch eine Sturmböe erneut zerstört und in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder aufgebaut worden.

     

 

Torhaus
      

Im Osten der Hauptinsel, an der Nordseite des Bauhauses anstoßend, befindet sich das kleine einstöckige gotische Torhaus aus der Zeit vor 1500. Es war einstmals Refugium des Kaplans auf der Burg Kakesbeck.

     

 

Kortegarre
    

Östlich der Hauptinsel, nördlich der ost-westlich verlaufenden Zufahrtsstraße auf dem Ringwall befindet sich die Kortegarre (contregarde=Wachthaus) aus dem Jahre 1542. Es ist ein zweistöckiger Rechteckbau mit einem kleinen Anbau im Süden und einem Schleppdach.


Das Gebäude wurde als Wachthaus benutzt. In Nordwesten des Erdgeschosses befinden sich Schießscharten zur Sicherung des nördlichen Wallabschnittes. Außerdem diente es dem Schutz des Tores. Zeitweilig wurde das Gebäude auch als Speicher benutzt.

    

 

Kornmühle
      

Südlich der Kortegarre, auf der anderen Seite der Zufahrtsstraße auf dem Wallkopf befindet sich die Kornmühle aus der Zeit von 1350. Nach Süden gliedert sich die starke Schutzmauer des Ringwalls aus Blockstein an.

 

 

Kapelle
     

Südwestlich der Kornmühle auf dem Ringwall befindet sich zudem die Burgkapelle. Sie ist 1868 abgetragen worden. Die gotische Kapelle war katholisch, lutterisch, calvinistisch und wurde von den jetzigen Eigentümern wieder aufgebaut. Die Kapelle soll zukünftig ökumenisch genutzt werden. Sie ist von zwei jungen Kunstmalern ausgemalt worden. Fast 40 Personen (z.B. Kardinal von Galen, Martin Luther King, Papst Johannes Paul II.) sind mit ihrem Konterfai an die Wände gemalt worden. Sie haben Vorbildcharakter und sollen letztlich die Besucher zur inneren Einkehr bewegen.

 

 

Ölmühle
   

Westlich der Kornmühle, durch einen Wassergraben getrennt, befindet sich die einstöckige rechteckige Ölmühle aus Blocksteinmauerwerk. Sie stammt aus der Zeit von 1496.

 

Vierständerfachwerkhaus
           

1980 haben die jetzigen Eigentümer ein seltenes Vierständerfachwerkhaus von Lippstadt nach Kakesbeck versetzt (transloziert). Es stammt aus der Zeit von 1612/1813 und ist Mittelpunkt des Reitsportzentrums Gestüt Burg Kakesbeck.

       

Lambert von Oer und das eiserne Halsband
         

Die Witwe Gisela von Gimbte erbte von ihrem Mann Cord (Konrad) von Mecheln die Meschelnschen Güter, die sie mit Zustimmung ihres Bruders Cord von Gimbte 1491 an Lambert von Oer zu Kakesbeck und Gerd von Beverförde zu Werries verkaufte. Von Beverförde wiederum trat 1493 seinen Anteil an den mechelnschen Gütern an Lambert von Oer zu Kakesbeck ab, wodurch dieser Alleineigentümer wurde.


Die Nichte der Gisela von Gimbte, Anna von Gimbte, war mit Hermann von Ascheberg zu Ichterloh verheiratet.


Gisela von Gimbte widerrief am 08.06.1503 den Verkauf der Mechelnschen Güter wegen Täuschung, vermutlich unter Beeinflussung durch ihre Nichte und dessen Ehemann. Am gleichen Tag verkaufte sie die Meschelnschen Güter an ihre Nichte und dessen Ehemann, die von Lambert von Oer die Güter zurückverlangten. Dieser Forderung widersprach jedoch Lambert. Die Prozesse vor 2 münsterischen Fürstbischöfen zogen sich hin und konnten letztlich zu keiner Schlichtung des Streites führen. Selbst ein Machtwort des Kölner Offizialat als Appellationsinstanz beendete nicht den Streit, sondern intensivierte diesen vielmehr.


Noch während der Prozesse hatten Anna und Hermann von Ascheberg 1517 ihre Tochter Jaspare mit Goddert Harmen verheiratet. Die andere Tochter, Anna von Ascheberg, wurde im gleichen Jahr mit Evert von der Recke zu Uentrop verheiratet. Als Brautschatz wurde ihnen die Mechelnschen Güter mitgegeben, die sich angeblich unrechtmäßig zu dieser Zeit in den Händen des Lambert von Oer befanden. Beide Schwiegersöhne erhoben 1519 Forderungen an Lambert von Oer auf die Mechelnschen Güter. Auch diese Forderungen wies Lambert ab. Diverse Schlichtungsversuche führten zu keinem Ergebnis. Trotz eines zugunsten Lamberts ausgegangenen Prozesses vor dem Kölner Offizialat gegen Anna und Hermann von Ascheberg im Juli 1520 sollte am 18.08.1520 ein Schiedstag stattfinden, da Goddert Harmen zu erkennen gab, dieses Urteil für sich nicht als bindend anzusehen. Dieses Datum wartete Goddert jedoch nicht ab. Am 25.07.1520 überfiel er in Begleitung zahlreicher Diener und Knechte den achtzigjährigen Lambert von Oer auf offener Straße zwischen Lüdinghausen und Kakesbeck, ohne ihm zuvor die Fehde erklärt zu haben. Goddert misshandelte Lambert. Er nahm ihm die Rüstung und sein Pferd ab und nötigte ihm das eidliche Versprechen ab, sich in die Gefangenschaft Godderts zu begeben und sich aus diesem Grund wenige Tage später auf Haus Padberg zu stellen. Symbolisch für die Gefangenschaft wurde Lambert ein innen mit Dornen versehenes Eisenhalsband umgelegt. Letztlich konnte Lambert von dem Halsband befreit werden, wobei es bezüglich der damit verbundenen Umstände unterschiedliche sagenhafte Darstellungen gibt.


Lamberts Ehre wurde durch das genannte Vorgehen Godderts stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden an seiner Ehre wäre noch größer ausgefallen, wenn Lambert nicht seinem, wenn auch abgenötigten Schwur, sich in Gefangenschaft zu begeben, nicht nachgekommen wäre. Er erbat deshalb von dem Landtag den Rat der Ritterschaft, wie er sich bezüglich des Schwurs verhalten sollte, ohne eine Beschädigung der Ehre davonzutragen. Auf Empfehlung der Ritterschaft wandte sich Lambert an den Bischof von Osnabrück und den Herzog von Braunschweig-Lüneburg. Sie sollten als unparteiische Richter urteilen hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Gefangennahme und der Abnahme des Eides. Ferner unterwarf sich Lambert deren Urteil.


Am 15.08.1520 wandet sich Goddert an den Bischof mit einer Beschwerde und drohte Lambert von Oer, seine Kinder und seine Freude mit Brand und Raub zu überziehen, wenn sich Lambert nicht an den Eid halten würde. Zudem drohte er Schmähschriften an.


Nachdem die unparteiischen Richter bis zum Jahre 1521 kein Urteil gesprochen hatten und Lambert auch nicht freiwillig in Gefangenschaft ging, begann Goddert mit der Verbreitung von Schmähschriften und Schandbildern. Ferner begannen Goddert und seine Helfershelfer in der Mitte Aprils 1521 Lambert von Oer mit Raub und Brand zu überziehen. Außerdem sagte Goddert dem Stift Münster insgesamt die Fehde an. Lamberts Sohn, Bernd von Oer, erklärte wiederum am 03.05.1521 Hermann von Ascheberg und seinem Sohn Franz die Fehde. Zudem kündigte Lambert dem Herzog von Kleve an, sich an den Gütern der Familie von Ascheberg schadlos zu halten. Sein Sohn Bernd überfiel später die Besitzungen der Familie von Ascheberg, nahm das lt Haus Ichterloh ein und zerstörte es.


Die Fehde zog sich bis 1528 hin. Versuche des Bischofs von Münster und des Herzogs von Kleve Waffenruhen, gütliche Einigungen herbeizuführen scheiterten zwischenzeitlich. Nach dem Tod Lamberts im Jahre 1522 führte sein Sohn Bernd die Fehde fort. Erst 1527 konnte Goddert zu einem Waffenstillstand bewogen werden, der am 01.05.1528 in einem Vergleich endete. Die Familie von Ascheberg und Goddert Harmen verpflichteten sich auf alle Ansprüche auf die Mechelnschen Güter zu verzichten sowie Frieden mit der Familie von Oer und dem Stift Münster zu schließen. Franz von Ascheberg wurde sodann in die beschlagnahmten Güter wieder eingesetzt. Bernd von Oer leistete Goddert Harmen eine Abfindung.


Durch die Fehde wurde das gesamte Stift Münster in Mitleidenschaft gezogen. Aus diesem Grund ließ der Bischof Erich bereits 1521 die Aschebergschen und Mechelnschen Güter beschlagnahmen, da ihre Erträge zur Entschädigung des Stiftes beitragen sollte.
 

Weiterführende Informationen zur Besichtigungsmöglichkeit
   

Luedinghausen-Tourismus.de

 

Fotos
   

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