Burg Rüdenberg - Burgen, Schlösser und Herrensitze in Westfalen-Lippe

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Burg Rüdenberg

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Adresse

Burg Rüdenberg
59821 Arnsberg (Hochsauerlandkreis)
 

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Geschichte


Die als „Alte Burg“ bezeichnete Burg Rüdenberg befindet sich auf dem Gipfel des 303 m hohen Rüdenbergs, der unmittelbar west-südwestlich gegenüber dem
Schlossberg Arnsberg liegt.

Der Bau der
Burg Arnsberg ist im engen Zusammenhang mit der Burg Rüdenberg zu sehen. Ursprünglich befand sich die Burg Rüdenberg sowie die Burg Hachen im Besitz der Ezzonen. Die Ezzonen waren im ostfränkisch-deutschem Reich des 10. und 11. Jahrhunderts lothringische Pfalzgrafen. Sie waren damit die wichtigsten Stellvertreter des Königtums am Mittel- und Niederrhein.

Bereits 960 soll Hermann Pusillus aus dem Geschlecht der Ezzonen mit der Hauptfeste des Keldachgaues, der Burg Berge an der Dhünn von Kaiser Otto I. belehnt worden sein. Sie bildet den Namensgebenden Stammsitz der späteren Grafen von Berg. Ab 985 war Hermann Pusillus der starke Mann hinter dem Kinderkönig Otto III. Er hatte die Besitztümer Ottois III. zu verwalten und beschützen. Zudem nutzte er die ihm eingeräumte gewaltige Machtfülle zu seinem eigenen Vorteil, womit er die ungeheure Machtfülle seines Geschlechts begründete. Hermann Pusillus starb schließlich im Jahre 999.
    
Hermann Pusillus Sohn, der Pfalzgraf Erenfrid III. (996–1034), genannt Ezzo, ehelichte die 14-jährige Prinzessin Mathilde, Tochter des Kaisers Otto II. und Schwester Ottos III. Ezzo wurde hierdurch Schwager des zukünftigen Kaisers, der schließlich im Jahre 996 als 16-jähriger tatsächlich zum Kaiser gekrönt wurde. Zur Zeit Ezzos standen die Ezzonen im Zenit ihrer Macht. Er erlangte eine herzogsgleiche Stellung. Sogar der Griff nach der Kaiserkrone schien möglich aufgrund der Verbindung mit der Prinzessin Mathilde und dem überraschenden Tod Kaiser Ottos III. im Alter von 22 Jahren im Jahre 1002. Mit letzterem erlosch das Haus der Ottonen, aus dem Geschlecht der Liudolfinger, im Mannesstamm. Da es jedoch noch eine jüngere Linie der Liudolfinger gab, kam diese schließlich an die Macht. Als auch dieses Geschlecht 1024 mit dem Tod Heinrich II. ausstarb, kam Ezzo ebenfalls nicht zum Zuge. Vielmehr wurde 1024 Konrad II. aus dem Geschlecht der Salier auf den Thron gewählt.

Die größten Güterkomplexe der Ezzonen außerhalb der beiden Lotheringischen Herzogtümer lagen an der Ruhr. Hierzu gehörte der große Lürwald im Hatterungau mit den allodioden Burgen und Herrschaften Wiclon (Wicheln), Hachen und Habbel. Ein weiteres Machtzentrum der Ezzonen im heutigen Westfalen bildete der Raum Attendorn, mit der Burg und Herrschaft Waldenburg.

Ezzos zweiter Sohn Otto (* 993/994), seit 1034 Pfalzgraf von Lothringen und Graf im Deutzgau und Hatterungau erbte Ezzos Besitzungen im Lürwald. 1045 wurde er vom Kaiser Heinrich III. zum Herzog von Schwaben ernannt. Deshalb entsagte er der Pfalzgrafenwürde zugunsten seines Vetters Heinrich II, dem Sohn des Bruders Ezzos, Herman gnt. Ezelin.

Aus Ottos Ehe mit der Gräfin von Egisheim, der Schwester des Bischofs Bruno von Toul, des späteren Papstes Leo IX. (1049-1054) ging die Tochter Richeza III. (* um 1030), die Haupterbin der sauerländischen Güter, hervor.

Richeza III. heiratete den Grafen Hermann IV. von Werl-Westfalen. Wahrscheinlich hat Richeza III. ihrem Ehemann, Graf Hermann IV. von Werl-Westfalen die Anwartschaft auf das Grafenamt als Mitgift in die Ehe eingebracht. Aus dieser Ehe gingen jedoch keine männlichen Nachkommen hervor, sondern lediglich Tochter Oda von Werl. Diese wiederum heiratete Udo Lüder II. Graf von Stade und Markgraf der Nordmark (1057-1082).

Nach Hermanns IV. Tod wurde sein Oheim Bernhard II. von Werl, Graf im Bistum Paderborn, auch Graf von Westfalen, der diese Linie des Hauses Werl fortsetzte. Er war jedoch nicht auch automatisch Graf im Hatterungau. Vielmehr stand dieses Amt dem 2. Ehemann Richezas III., Graf Otto von Northeim aus Sachsen zu, den sie 1052/1053 heiratete († Beide 1083). Dieses Amt übte er vermutlich bis zur Erhebung Ottos zum Herzog von Bayern im Jahre 1061 aus. Daraufhin übernahm erst Bernhard II. von Werl 1061/1062 auch das Grafenamt im Hatterungau. Dies muss durch Billigung Ottos, Richezas III. und dem Kölner Erzbischof geschehen sein. Vermutlich spielte insoweit wohl auch die getroffenen Eheverabredung zwischen Richezas III. und Ottos Tochter Mechthild von Northeim und dem Sohn Bernhards II. von Werl-Westfalen, Konrad I. von Werl-Arnsberg, eine Rolle, da eigentlich Mechthilds Bruder, Heinrich III. der Fette, Graf in Friesland († 1101) der Erbe des Grafentitels gewesen wäre. Durch die Verschmelzung der Werler Comitate mit der Hattergaugrafschaft schuf Bernhard II. von Werl ein Großcomitat, aus dem die Grafschaft Arnsberg hervorging.

Als Hermann IV. von Werl-Westfalen 1052 starb, wurde sein Oheim Bernhard II. von Werl-Westfalen (1024-1063) Graf von Westfalen. Dieser verlegte spätestens 1063 seinen Wohnort von Werl zur Burg Rüdenberg und machte sie zu seiner ersten Residenz in der Gegend Arnsbergs.

Aus der Ehe Richezas III. mit dem Grafen Otto von Northeim († 1083) gingen 5 Kinder hervor. Richeza III. teilte den ezzonischen Besitz unter ihren Kindern auf. Oda von Werl erhielt 1/3 des Lürwaldes. Sohn Heinrich „der Fette“ von Northeim, Graf von Friesland († 1101) erhielt ebenfalls 1/3 des Lürwaldes. Zudem erhielt er Burg und Herrschaft Wicheln. Der Sohn Kuno von Northeim, Graf zu Beichlingen (1050/1060-1103) erhielt ebenfalls 1/3 des Lürwaldes sowie
Burg und Herrschaft Hachen. Die große Villication Habbel teilten sich die Töchter Ethilinde und Mechthild von Northeim mit ihren Ehemännern. Letztere war mit Graf Konrad I. von Werl-Arnsberg, Erstgeborener und Erbe des Grafen Bernhard II. von Werl-Arnsberg, verheiratet. Konrad I. von Werl gilt als der eigentliche Begründer der Grafschaft Arnsberg. Richezas III. Sohn Siegfried, Graf von Boyneburg, wurde anderweitig begütert.

Nach dem Tod Heinrichs des Fetten im Jahre 1101 übertrag dessen Witwe seinen Anteil am Lürwald nebst Wicheln an das Kölner Erzstift. Ebenso übertrag Kuno von Northeim seinen Anteil am Lürwald und Hachen an Köln. Odas Anteil am Lürwald folgte 1110. Habbel wurde 1214 durch Graf Hermann III. von Ravensberg an Köln übertragen, nachdem er sich zuvor mit dem Mitbesitzer Graf Gottfried II. von Arnsberg-Cuijk (1175-1235) geeinigt hatte. Beide waren Enkel bzw. Urenkel der Ethilinde bzw. Mechthild von Northeim.

Um 1050 reagierten die mächtigen Grafen von Werl-Westfalen ein riesiges Territorium, dass von Lochtropgau im Sauerland bis zum Emsgau an der Nordseeküste reichte. Es handelt sich hierbei um die aus zahlreichen Freigrafschaften bestehende Großgrafschaft Westfalen. Ein Teil dieser Großgrafschaft, die Grafschaft Huvili (Hövel) befand sich in den Händen einer Nebenlinie der Grafen von Werl-Westfalen, nämlich der Grafen von Werl-Hövel. Die zuletzt genannte Grafschaft gelang 1070/1073 durch die Erbin Adelheid von Laufen an ihren Ehemann Graf Adolf II von Berg (1072-1090).

In der Mitte des 11. Jahrhunderts erfuhren die Grafen von Werl-Westfalen einen erheblichen Machtverlust. 1062 wurde der Kinderkönig Heinrich IV. von dem Erzbischof Anno aus der Pfalz Kaiserwerth entführt. Letztgenannter ließ Heinrich eine sehr strenge Erziehung zukommen, wofür ihn der König hasste. 1063 schaltete sich der Gegenspieler Annos, der Enkel Ezzzos und Bischof von Bremen und Hamburg Adalbert von Goseck, ein. Er konnte bewirken, dass die Erziehung Heinrichs ihm überlassen wurde. Sie verlief milder, so dass letztlich Adalbert erheblichen Einfluss auf den Kinderkönig gewann und bewirken konnte, dass Heinrich im die nordwestfälischen Comitate der Grafen von Werl-Westfalen übertrug. Proteste und Widerstand des Grafen Bernhard II. von Werl konnten den König nicht zu einem Umschwenken bewegen, so dass die Grafen von Werl-Westfalen endgültig ihre westfälischen Comitate nördlich der Grafschaft Huvili-Hövel verloren. Bereits 1052 hatte Hermann IV. von Werl, der Vater Bernhards II. von Werl, die Vogteirechte über die Reichsabtei Werden an der Ruhr an Adolf III, Vogt von Deutz und St. Severin zu Köln, verloren. Adolf III. gilt als Stammvater des Hauses der Grafen von Berg. Schon 1068 nannte er sich Adolf I. „de Monte - von Berg“. Zugleich befand er sich im Besitz der Burg Berge.

Die Burg Rüdenberg wurde nicht erst im 11. Jahrhundert neu gegründet, sondern vorher gab es schon eine frühgeschichtliche Wallburg. Graf Bernhard II. von Werl-Westfalen und seine Nachkommen bauten sie lediglich in Stein aus.

Bernhard II. von Werl-Westfalen hatte 4 Söhne, nämlich Konrad I., Heinrich (späterer Bischof von Paderborn), Ludolf und Hermann. Graf Konrad I. kam 1092 auf einem Feldzug zur Rückgewinnung des alten Territoriums der Grafen von Werl-Westfalen in Ostfriesland ums Leben. Ebenso verstarb sein damals 21 jähriger erstgeborener Sohn, Junggraf Hermann, der ihn begleitete. Er war bereits Vater eines Sohnes namens Konrad II., der im Säuglingsalter war. Hermanns Sohn Konrad II. wurde nicht sein Nachfolger im Grafenamt, sondern der Bruder Hermanns, Friedrich I. der Streitbare von Werl-Arnsberg. Konrad II. wurde mit etlichen, nicht sonderlich reichen, Lehen ausgestattet. Konrad II. und seinen Nachkommen erhielten Mitbesitz an der Rüdenburg eingeräumt. Konrads Erben nannten sich in der Folgezeit Edelherren von Rüdenburg. Im Wappen führten sie einen steigenden Rüden. Konrad II. nannte sich anschließend Konrad I. von Rüdenberg. Dessen Enkel, Konrad II. von Rüdenberg, heiratete Gisela von Stromberg, die Erbtochter des Burggrafen
Hermann von Stromberg, dessen Amt auf Konrad II. überging. Er und seine Nachkommen trugen den Namen Rüdenberg-Stromberg.

Die Brüder Konrad I. von Werl-Arnsberg Ludolf von Werl stritten sich in den 80er Jahren des 11. Jahrhunderts um das Erbe ihres Vaters. Ludolf vermachte schließlich seinen sämtlichen Besitz und sämtliche Rechte - auch die die er meinte, dass sie ihm gehören würden - dem Kölner Erzstift. Zwar erhob der Erzstift Köln nach Ludolfs Tod († nach 1089) Ansprüche auf dessen Erbe, jedoch bestritt Konrad I. die Rechtmäßigkeit. Der Erzstift ließ zunächst die Angelegenheit auf sich beruhen, bis zur Vermögensübernahme durch Konrads I. Sohn, Friedrich I. des Streitbaren von Werl-Arnsberg (1092-1124), nach 1092 die Forderungen Kölns größer wurden.

1102 wurde die Burg Rüdenberg durch die Truppen des Erzbischofs Friedrich I. von Köln belagert und zerstört. Graf Friedrich I. wurde im Friedensvertrag von 1103 gezwungen die halbe Grafschaft an Köln abzutreten. Die hatte zur Folge, dass sich fortan die Grafschaft aus einem zersplitterten Territorim zusammensetzte. Geteilt wurde hierbei auch die Burg Rüdenberg in eine Arnsberger und eine Kölner Hälfte. Deshalb wurde u.a. der Palas in 2 Teile geteilt und 2 selbständige Wohneinheiten mit eigenständigen Zugängen entstanden.

Dieser Zustand war für Graf Friedrich I. den Streitbaren von Werl-Arnsberg nicht hinnehmbar, so dass er sich entschloss auf dem gegenüberliegenden Berg einen neue Residenz, die
Burg Arnsberg, anzulegen. Vermutlich gab es bereits an dieser Stelle eine vor- oder frühgeschichtliche Wallburg. Jedenfalls ist der Bau der Burg durch Graf Friedrich I. dem Streitbaren nach 1102 festzulegen. Teilweise wird auch sein Vater Konrad I. als der Erbauer der Burg Arnsberg angenommen. Für beiden Ansichten mangelt es jedoch an Urkunden, die die entsprechenden Thesen zu stützen vermögen. Das Arnsberger Schloss wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1114 genannt.

Um 1261 entstanden durch Erbteilung drei Rüdenberger Linien. Es entstand die Linie von Rüdenberg zu Stromberg, von Rüdenberg zu Rüden und von Rüdenberg zu Rüdenburg. Der Einfluss der Linie Rüdenberg zu Rüdenburg sank in der Folgezeit aufgrund eines ausschweifenden Lebenswandels. So musste beispielsweise 1295 die Hälfte der Freigrafschaft Velmede an Graf Ludwig von Arnsberg verkauft werden. 1311 wurde die Freigrafschaft Stockum an Ludwig verschenkt. 1328 wurde die Freigrafschaft im Raum Soest-Werl an die Stadt Soest verkauft. Ab 1325 nannte sich Gottfried III. von Rüdenberg zu Rüdenberg nicht mehr Edelherr, sondern nur noch Knappe aufgrund der geminderten wirtschaftlichen Verhältnisse. 1345 verkaufte Hermann IV., Bruder des Gottfried III. von Rüdenberg, seinen Zehnten „half te Emmere“ zwischen Arnsberg und Bruchhausen an das Kloster Wedinghausen. Im Ergebnis war dies der 1. Schritt zur Aufgabe der Rüdenberger Besitzungen in der Gemarkung Obereimer. Am 20.09.1359 kam es zum völligen Verkauf des um die Rüdenburg gelegenen Landbesitzes.

1390 erlosch mit dem Tode Hermann VII. von Rüdenburg der auf der Rüdenburg ansässige Zweig der Familie von Rüdenburg. Bereits seit spätestens 1359 war die Rüdenburg dem Verfall preisgegeben. Es ist nicht geklärt, ob die Burg im Zuge einer Fehde zwischen dem Grafen Gottfried IV. von Arnsberg und Graf Engelbert III. von der Mark 1366 zerstört wurde.

Die Rüdenburg hatte eine Größe von ca. 0,42 ha.

Von 1989 bis 1993 wurde der Bestand der noch vorhandenen Burgruinen gesichert.

   


Fotos
       

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